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► Beitrag SRF Tagesschau

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Die Sondermülldeponie liegt in der Nähe eines Grundwasserstroms

Durch Niederschläge und Frost sind aus Felsgesteinen riesige Mengen an Kies, Sand, Lehm und Ton entstanden. Sie haben sich in verschiedenen Schichten abgelagert und bilden als Sandsteine und Mergel den Untergrund der Sondermülldeponie Kölliken.

Die heutigen oberirdischen und unterirdischen Wasserläufe wurden durch die Bewegungen der Gletscher bestimmt.

Der mächtige Reussgletscher hat auf seinem letzten Rückzug einen Grundwasserstrom hinterlassen, der aus dem Suhrental kommend über Aarau bis an den Rhein reicht. Rund 200 000 Menschen beziehen daraus Trinkwasser.

Die SMDK liegt an der sogenannten Kölliker Rinne, einem Seitenarm dieses Grundwasserstroms


Eiszeitmodell Aargau West Suhrental


Grundwasser-
vorkommen Kölliker Rinne

   

 


Aus dem Kölliker Mergel wurden begehrte Tonwaren

Bereits im 1. Jh. n. Chr. haben römische Legionäre am Ort des heutigen Kölliken Ziegel gebrannt, und auch im späteren Mittelalter wurde dies fortgesetzt.

1823 baute Rudolf Hilfiker in Kölliken eine industrielle Ziegelei. Der Abbau der Tonvorkommen ging anfänglich mit Muskelkraft, später mit Maschinen vor sich. Eine Rollbahn transportierte den Ton in Loren ins Werk.

1928 übernahm die Firma Keller & Co., Pfungen/Frick, den Betrieb. Bis 1974 wurden nun nur noch Backsteine, Tonplatten, Decksteine und Drainageröhren produziert.

1974 war die Tongrube erschöpft. Die Produktion wurde eingestellt. Eine Zeit lang wurden noch Dachisolationen fabriziert, und das Ziegeleiareal diente bis zur Betriebsaufgabe in den Neunzigerjahren als Umschlagplatz für Tonwaren.

Die Ziegelei war im Dorf während 170 Jahren ein wichtiger Arbeitgeber gewesen und hatte vor der Schliessung noch 30 Mitarbeiter beschäftigt.


Ziegelei Kölliken vor dem Brand 1909 


Produkte der Tonwerke Keller & Co. 


Ziegelei Kölliken bei ihrer Schliessung

   

 


Der technische Fortschritt zeigte seine Kehrseite

Die Zeit, in der aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse immer mehr an industrieller Produktion möglich wurde, begann in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Abfälle und Fehlchargen wurden damals oft direkt auf dem Industrieareal vergraben, in Seen, Bäche und Flüsse geleitet und versenkt oder bei Nacht und Nebel in ein Tobel gekarrt (wilde Deponien). Der Erfolg gab der Industrie und dem Gewerbe Recht. Der Kamin musste rauchen. Die prosperierende Wirtschaft sah in jener Zeit nur nach vorn. 

Auch die öffentliche Hand leistete einen erheblichen Beitrag an das, was heute als Altlasten bezeichnet wird.

Wer gegen die Umweltverschmutzung aufbegehrte, wurde belächelt oder mit allen Mitteln zum Schweigen gebracht.


Abfalltrennung war noch kein Thema


Entsorgt wurde oft bei Nacht und Nebel

 

 

 


Altlasten

Wo der Mensch forscht, produziert und entsorgt, stehen sich Umweltschutz und Umweltverschmutzung seit eh und je diametral gegenüber. Die Schweiz als dicht besiedeltes Land hat aber keine «Niemandsländer» für Deponien weitab von den Siedlungsgebieten. 

Unser Land hat neben den offiziellen Deponiestandorten eine grosse Zahl von inoffiziellen Altlasten. Eine Vielzahl unbekannter Risiken lauert deshalb heute unter Äckern, Wiesen und Bauwerken.Die Analysenmethoden sind heute in der Lage, selbst unscheinbare oder gut versteckte Verschmutzungsherde auf Emissionen zu prüfen.

Das BAFU (Bundesamt für Umwelt) geht von rund 50'000 belasteten Standorten in der Schweiz aus. Im Kanton Aargau rechnet man heute mit mehr als 2’500 belasteten Standorten. Bei rund 100 davon ist anzunehmen, dass früher oder später konkret interveniert werden muss. Der gesamte Aufwand für die Aufarbeitung aller Altlasten in der Schweiz wird zurzeit auf wenigstens 5 Milliarden Franken geschätzt.


Daraus resultiert Sondermüll

Wir alle machen Sondermüll

Sondermülldeponie-Standorte in der Schweiz